MIKI MALÖR - Performance. Radikales Theater.

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The Attack of the 50 Foot Woman

Eine Führung durch das unerhörte Remake des 1950er-Jahre Kultklassikers.

Foto: Helmut Schütz, Montage: rob.drapela

Wolkenkratzer beben!
Kleine Männer quieken!
Menschen rennen in Panik!
Sehen sie Busen Blusen sprengen!
Früher war sie eine Maus
jetzt ist sie grösser als ein Haus!

Nur Yosi Wanunu wagt es, dieses billige abgeschmackte Low-Budget-Spektakel auf die Bühne zu bringen.
Miki Malör ist die erstaunliche unglaubliche phantastische überdimensionale 20 Meter Frau!

von Malör, Soulimenko, Tomaszewski, Wanunu
Regie:Yosi Wanunu
Performance:Miki Malör, Oleg Soulimenko, Cezary Tomaszewski
in englischer Sprache
Bühnenbild:Judith Leikauf und Karl Fehringer
Sounddesign:Dieter Kovacic
Grafik:rob.drapela
PR:SKYunlimited
Subvention:Kulturabteilung der Stadt Wien MA 7, bm:ukk
Zeit, Ort:11. – 22. September 2007
KosmosTheater, Wien

ANGRIFF DER GIGANTIN von Helmut Ploebst (corpus, 12.9.2007)


Eine Liebesgeschichte kann auf jede erdenkliche Weise erzählt werden. Zum Beispiel so: Frau mit großem Diamanten und ihr untreuer Gatte treffen auf riesiges Monster aus dem Weltraum. Oder so: Ehegatte und blonde Geliebte planen, reiche Gattin abzusahnen, diese irrt schreiend durch die Stadt, weil sie zuvor ein UFO sichtete, aus dem eine riesige Hand ’raus kam. Oder so: 50 Fuß hohes Alien attackiert aufgebrachte Ehefrau, da es ihren Diamanten zum Energieaufladen seines UFOs braucht. Oder: Blonde Frau… usw. usw.

Ein Film kann auf jede erdenkliche Weise erzählt werden. Bild, Ton und Text werden vereint, um eine Einheit aus Fragmenten zu erschaffen. Man kann aber auch nur das Skript lesen. Man kann auch den Ton leiser drehen, kann die Bilder die Geschichte erzählen lassen. Oder umgekehrt, den Ton raufziehen und das Bild vergessen. Wir haben uns für Letzteres entschieden.

Die Entkoppelung von Bild- und Tonelementen erlaubt jedem Ton seine Präsenz, in einer sehr indirekten und losen Verbindung mit dem Bild. Dies gestattet dem/der ZuhörerIn die Erschaffung von eigenen Bildern. Was eine Person sieht ist nicht was sie hört und was sie hört ist nicht was sie sieht. Wir können auf Basis einer Stimme nicht die körperliche Erscheinung einer Person konstruieren, aber sie kann uns einen Zugang zu einer inneren, unregulierteren Wahrheit eröffnen.

Unser Sound kann die Handlung nicht offenbaren. Unser minimales Bühnenset und die ebenso minimale Körperarbeit tragen wenig bei zur Klärung der Geschichte. Wir arbeiten mit einem Soundmix aus Autos, 50er Jahre Sci-Fi-Sounds, Barmusik, Stimmen (einer Blondine, eines Sheriffs und seines Vertreters, einer schreienden Frau, eines teuflischen Ehegatten usw.) – allen akustischen Ingredienzen, die eine Hollywood Story eben benötigt. Dennoch, sie verweisen nicht auf einen Ort oder ein soziales Milieu, vielmehr funktionieren sie wie ein Musikscore, Worte unter anderen Worten, Töne unter andern Tönen. Der/die ZuhörerIn muss die Töne selbst zusammen­setzen, das Bildmaterial auf der Bühne hilft nicht unbedingt beim Decodieren des Soundtracks, manchmal funktioniert es mehr als alternative Lesart denn als dessen Übersetzung.

Als Liebesgeschichte ist »The Attack of the Fifty-Foot Woman« banal, eine Dreiecksgeschichte der klassischen Sorte, wie eben… Eine reiche Frau im Besitz eines sehr teuren Diamanten und einer übersteigerten Gefühlswelt wird von ihrem miesen Ehegatten mit einer gierigen Blondine von außerhalb betrogen. Blond sein ist dabei ein wesentlicher Aspekt, wie wir alle wissen, bevorzugen Gentlemen Blondes. Doch eine Wende im Verlauf unserer Geschichte führt weg von Liebesfragen, dann dreht sie sich mehr um dringend zu lösende unerwartete Energieknappheit und die Suche nach alternativen Energieformen. Das riesige Wesen aus dem Outer Space benötigt den großen Diamanten – The Star of India – nämlich, um sein Raumschiff wieder mit Energie aufzuladen, und als es seine große Hand ausstreckt, um sich den Diamanten vom Hals der aufgebrachten Ehefrau zu holen, energetisiert sie zur Riesenfrau. Was als sehr kleine Liebesgeschichte beginnt, wird damit buchstäblich zur sehr großen.

Folgen Sie der großen Transformation der Ehefrau zur 50-Fuß-Frau und Sie werden zu einer klaren Erkenntnis gelangen: Für Frauen liegt die einzige Alternative zur Lächerlichkeit in der Monstrosität.

Yosi Wanunu


Acrobat PDF 1.4 PR-Text Pressefotos


Foto: Helmut Schütz Foto: Helmut Schütz Foto: Helmut Schütz

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letzte Aktualisierung: Juni 2009 []